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 Handbuch:  Analyse – wo stehen wir?

 Phase C: Analyse – wo stehen wir?

Indikatoren entwickeln

Frage: Wie können Indikatoren gefunden werden, die sich dazu eignen, eine nachhaltige Gemeindeentwicklung zu messen? Welche Funktionen erfüllen Indikatoren?

Kurz gesagt:                                                                                     Indikatoren sind Kennzahlen, die darüber Auskunft geben, ob die vereinbarten Ziele erreicht wurden oder nicht. Sie stellen eine leicht verständliche Grundlage dar, anhand derer der Fortschritt der nachhaltigen Entwicklung beurteilt werden kann. Bei der Auswahl geeigneter Indikatoren sind verschiedene Punkte zu beachten, beispielsweise sollte ein Indikator ohne allzu hohen Aufwand ermittelbar sein.

 

Indikatoren – Kennzahlen der Nachhaltigkeit

Nachdem die Ziele des LA21-Prozesses formuliert und konkretisiert wurden (>> Ziele formulieren), geht es darum, geeignete Indikatoren zu finden, d.h. Kriterien und Kennzahlen, die darüber Auskunft geben können, ob diese Ziele erreicht sind oder nicht. Indikatoren sollen leicht verständliche Grundlagen für die Beurteilung des Fortschritts einer nachhaltigen Entwicklung liefern, die auch im politischen Entscheidungsprozess verwendet werden können.

Praktikable Nachhaltigkeitsindikatoren zu finden, stellt eine grosse Herausforderung dar. Verschiedene Projekte haben sich mit der Erarbeitung lokaler Indikatorensysteme befasst (siehe Links). Deren Ergebnisse stellen wertvolle Grundlagen dar, die den spezifischen lokalen Bedürfnissen angepasst werden können. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, auf bestehenden Indikatorensystemen aufzubauen, anstatt von Grund auf ein eigenes zu entwickeln. Wichtig ist in jedem Fall, dass eine breite, bereichsübergreifende Diskussion über die Ziele, Kriterien und Messwerte geführt wird, und zwar mit möglichst vielen verschiedenen Interessengruppen (>> Partizipation planen und umsetzen).

 

Funktionen von Nachhaltigkeitsindikatoren

Nachhaltigkeitsindikatoren müssen fünf wichtige Funktionen erfüllen:

  1. Analytische Funktion: Die Indikatoren spiegeln die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung sowie die Handlungsfelder, die für eine nachhaltige Entwicklung zentral sind und konkretisieren so das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung. Die Konkretisierung wiederum erlaubt es festzustellen, wie es in einer Gemeinde um die Erreichung dieser Ziele steht.
  2. Kommunikationsfunktion: Die Indikatoren veranschaulichen der breiten Öffentlichkeit den Pfad einer nachhaltigen Entwicklung und bilden daher einen wichtigen Teil der Informationspolitik im Rahmen einer LA21. Sie tragen zur Sensibilisierung bei und vereinfachen die Berichterstattung.
  3. Warnfunktion: Die Indikatoren liefern laufend Informationen über den aktuellen Stand der Entwicklung in der Gemeinde, und zwar im positiven wie im negativen. Sie dienen so dazu, Entscheidungen über den Handlungsbedarf und über getroffene Massnahmen laufend zu prüfen. Dies setzt die regelmässige Erhebung und Veröffentlichung der entsprechenden Kennzahlen voraus.
  4. Koordinationsfunktion: Die Indikatoren liefern die Basis für ein Berichtsystem, das systematisch Daten verschiedener Sachgebiete integriert. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Verwaltungsabteilungen, verwaltungsexterner Organisationen und Forschungsinstitutionen bei der Entwicklung des Indikatorensystems wird eine gemeinsame Zielfindung gefördert.
  5. Vergleichsfunktion: Indikatoren ermöglichen den Vergleich von Zielen mit dem Ist-Zustand (Soll-Ist-Vergleich) und konkretisieren den Handlungsbedarf.

 

Wichtige Punkte bei der Entwicklung von Indikatoren

  • Für die Entwicklung eines Indikatorensystems muss genau festgelegt werden, welche Veränderungen damit erfasst werden sollen. Eine umfassende Berichterstattung über eine nachhaltige Gemeindeentwicklung ist oft zu allgemein und in der Regel auch zu aufwändig, weshalb es sinnvoll ist, Prioritäten zu setzen und Teilbereiche festzulegen, die durch die Indikatoren gemessen werden sollen (>> Ziele formulieren).
  • Es ist wichtig, immer von den Zielen auszugehen – die festgelegten Ziele definieren also die Indikatoren und nicht umgekehrt. Lautet ein Ziel beispielsweise „Der Anteil erneuerbarer Energie ist gestiegen“, so könnte ein dazu passender Indikator sein „Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtstromverbrauch der Gemeinde“. Je konkreter und quantitativ fassbarer die Ziele sind, desto leichter lassen sich Indikatoren dazu entwickeln bzw. finden – schwieriger wird es bei Zielen, die weniger gut in Zahlen fassbar sind, z.B. „Steigerung der Lebensqualität“. Deshalb ist es von Vorteil, sich bei der Formulierung der Ziele möglichst genau zu überlegen, was mit solchen abstrakten Konzepten konkret gemeint ist: Was bedeutet Lebensqualität, wie manifestiert sie sich in unserer Gemeinde? (>> Lebensqualität). Häufig sind zur Messung eines Ziels mehrere Indikatoren nötig und sinnvoll.
  • Der Zweck der Indikatoren und die Ziel- und Benutzergruppen müssen klar definiert sein.
  • Damit ein Indikatorensystem auch für politische Entscheidungen wirksam werden kann, ist es von Vorteil, die Entscheidungsträger und die Verwaltung in die Entwicklung resp. Diskussion der Indikatoren einzubinden.

 

Kriterien für die Wahl von Indikatoren

Bei der Wahl von Indikatoren sollten folgende Kriterien beachtet werden:

  • Ein Indikator muss im Hinblick auf das verfolgte Ziel relevant sein, d.h. das Ziel gut und ausreichend umfassend repräsentieren.
  • Ein Indikator muss einen Zustand zuverlässig messen, d.h. bei mehrmaligen Messversuchen sollte ein unveränderter Zustand den gleichen Wert liefern.
  • Ein Indikator muss auf Veränderungen empfindlich reagieren.
  • Ein Indikator muss Vergleiche zwischen verschiedenen Regionen und Zeitpunkten ermöglichen.
  • Ein Indikator muss ohne allzu hohen Aufwand ermittelbar sein.
  • Die Bedeutung eines Indikators muss leicht kommunizierbar sein.

Bei der Erarbeitung des Indikatorensystems muss zum einen berücksichtigt werden, dass zwischen den verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit Zielkonflikte auftreten können (>> Ziele formulieren). Das Indikatorensystem muss diese Zielkonflikte abbilden: Weist die Veränderung eines Indikators beispielsweise auf eine gute Wirtschaftsentwicklung hin, müssen gleichzeitig mit einem anderen Indikator die Auswirkungen auf die Umwelt und/oder das Soziale gemessen werden können. Zum anderen können gewisse Massnahmen sowohl positive als auch negative Auswirkungen innerhalb der gleichen Nachhaltigkeitsdimension haben: Z.B. kann der Bau einer neuen Strasse die lokale wirtschaftliche Entwicklung fördern und Arbeitsplätze schaffen, aber gleichzeitig kleine einheimische Betriebe bedrängen, weil die Konkurrenz von aussen grösser wird. Ein differenziertes Indikatorensystem verhindert, dass eine der möglichen Auswirkungen im System verloren geht. Um den dominierenden Trend herauszufinden, können die verschiedenen Indikatoren bzw. deren Messung vergleichend ausgewertet werden. Dies setzt allerdings voraus, dass die Frage geklärt ist, ob alle Indikatoren gleich gewichtet werden sollen oder ob einige mehr Gewicht erhalten sollen als andere.

Schliesslich sollten die lokalen Indikatorensysteme zu den globalen und nationalen Indikatorensysteme passen (siehe Links), auch wenn es eine schwierige Aufgabe ist, lokale, nationale und globale Aspekte konsequent aufeinander abzustimmen.

 

Erhebung der Ist-Werte

Sobald das Indikatorenset festgelegt ist, sollten die Ist-Werte der einzelnen Indikatoren erhoben und zusammengestellt werden. Diese Werte dienen bei der späteren Beurteilung der Wirkung als Vergleichsgrösse (>> Wirkung beurteilen).

 

Linkverzeichnis

  • http://sustainabledevelopment.un.org/index.php?...
    Link zum Indikatorensystem der Vereinten Nationen.
  • http://www.are.admin.ch/themen/nachhaltig/00268/00551/index.html
    MONET – Monitoring Nachhaltige Entwicklung. Projekt zur Messung der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz (auf nationaler Ebene). Beschreibung des Indikatorensets, Erläuterung seiner Entstehung und Hintergründe.
  • http://www.are.admin.ch/themen/nachhaltig/00268/00552/index.html
    Auf der Website des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) werden Kernindikatoren für die Nachhaltigkeit von Städten und Gemeinden beschrieben. Auf der Homepage sind Informationen zum aktuellen Stand der Entwicklung und Verwendung von Nachhaltigkeitsindikatoren in der Schweiz zu finden. Des Weiteren sind Links zu verschiedenen Beispielen von Städten und Gemeinden verfügbar.
  • http://www.wien.gv.at/umweltschutz/nachhaltigkeit/pastille.html
    Ein internationales Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit Schweizer Städten und Universitäten hat sich mit der Entwicklung von lokalen Indikatoren befasst und u.a. ein Praxisleitfaden zur besseren Anwendung von Nachhaltigkeitsindikatoren auf lokaler Ebene entwickelt.
  • http://www.naturama.ch/projekte/pro_down0.cfm
    Die vom Kanton Aargau entwickelte Checkliste Interessenabwägung Nachhaltigkeit kann für die Beurteilung von grösseren Vorhaben in Hinblick auf eine Nachhaltige Entwicklung angewendet werden. Früh angewendet kann sie helfen, ein Vorhaben besser auf Nachhaltigkeit auszurichten, spät angewendet kann sie den Nachhaltigkeitseffekt eines Vorhabens beurteilen helfen. Auf der Homepage steht die Checkliste zum Download zur Verfügung. Die Checkliste wird ergänzt durch detaillierte Angaben zu den Indiaktoren, die vom Kanton Aargau verwendet werden. Die elektronische Checkliste ist nur mit Windows-PC nutzbar (Access). Einige wenige Fragen der Checkliste sind auf den Kanton Aargau bezogen und machen nur Sinn im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitspolitik dieses Kantons. Unten bei den Literaturangaben stehen die Checkliste Interessenabwägung Nachhaltigkeit, der zugehörige Bericht "Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau" und dessen Anhang mit 30 Indikatorblättern zum runter laden bereit.

 

Literaturverzeichnis

  • Born, Manfred et al. (2000): Neue Formen der Bürgerbeteiligung. Ein praktischer Handlungsleitfaden für Städte und Gemeinden. Bremen: Econtur.
    Ein praxisorientiertes Handbuch, in dem ein LA21-Prozess anhand des Beispiels der Stadt Syke beschrieben ist. Hilfreich ist insbesondere das Kapitel über die Entwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren.
  • Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg et al. (Hrsg.) (2000): Leitfaden. Indikatoren im Rahmen einer Lokalen Agenda 21. Darmstadt: Druckhaus Darmstadt Gmbh.
    Auf der Basis von Erfahrungen aus den Deutschen Bundesländern Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen mit Lokalen Agenda 21-Prozessen wurde ein System von Nachhaltigkeitsindikatoren entwickelt, das in Leitfadenform in übersichtlicher Weise präsentiert wird. Dieses soll Gemeinden helfen, in Eigenregie ihren Lokale Agenda 21-Prozess zu analysieren und den Weg zur nachhaltigen Entwicklung sichtbar machen.
  • Born, Manfred (1997): Indikatoren zur Nachhaltigen Entwicklung. Bremen: Econtur.
    Liefert einen guten Überblick über Prinzipien für Indikatoren und über verschiedene Indikatorensysteme.
  • Bettina, Tschander (2001): Controlling als Chance für eine nachhaltige Entwicklung – Ein einfaches Bewertungsinstrument.
    Eine Nachdiplomstudie, in welcher verschiedene Bewertungsinstrumente vorgestellt und mit einander verglichen werden.
    »Download Tschander_2001 (pdf; 788kB)
  • Kanton Aargau (2006): Checkliste Interessenabwägung Nachhaltigkeit des Kantons Aargaus.
    Checkliste Interessenabwägung Nachhaltigkeit als zip-Datei. Für eine detaillierte Beschreibung siehe oben bei den Links.
    »Download Kanton Aargau_2006 (zip; 211kB)
  • Kanton Aargau (2005): Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau.
    Für eine detaillierte Beschreibung siehe oben bei den Links.
    »Download Kanton Aargau_2005 (pdf; 3722kB)
  • Kanton Aargau (2005): Anhang zum Bericht "Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau".
    Für eine detaillierte Beschreibung siehe oben bei den Links.
    »Download Kanton Aargau_2005_Anhang (pdf; 564kB)
  • Hoffmann, Albrecht & Pierk, Marcus (2003): Gemeinsam empfolene Indikatoren zur kommunalen Nachhaltigkeit. Bonn: Agenda-Transfer, Agentur für Nachhaltigkeit GmbH.
    “Gemeinsam empfohlene Indikatoren zur kommunalen Nachhaltigkeit“, Bundesweite Servicestelle Lokale Agenda 21 (Deutschland). Ausführlicher Kommentar zu jedem Indikator.
    »Download Hoffmann et al. 2003 (pdf; 535kB)
  • Stadt Syke, Hrsg. (2002): Aktionsprogramm Syke 2002 Lokale Agenda 21. Leitlinien und Handlungsfelder für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt Syke.
    Bericht über die Agenda 21 der Stadt Syke (Deutschland). Ausführungen zu den Zielen und Aktionsfeldern der Stadt sowie zur Indikatorenentwicklung.
    »Download Syke_Aktionsprogramm_2002.pdf (pdf; 406kB)
  • Stadt Syke (Hrsg.) (2002): Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Syke 2002.
    Ausführlicher Nachhaltigkeitsbericht zur Agenda 21 der Stadt Syke (Deutschland). Ausführungen zur Entwicklung und Anwendung des Indikatorensets sowie über den Stand der Entwicklung der Stadt in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Soziales.
    »Download Syke_Nachhaltigkeitsbericht_2002.pdf (pdf; 1136kB)
  • Bundesamt für Raumentwicklung (2007): Nachhaltigkeitsbeurteilung von Projekten auf der Ebene der Kantone und Gemeinden.
    Der Leitfaden des Kompetenzzentrums für nachhaltige Gemeinden bietet in übersichtlicher Form eine Zusammenstellung von Hinweisen, Instrumenten und Checklisten mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung von Gemeinden. Die Darstellung von Modellen und Ansätzen der Prozessgestaltung ebenso wie die vielen Praxisbeispiele unterstützen eine zielorientierte Gestaltung und Überprüfung der Prozesse, die erforderlich sind, wenn sich eine Gemeinde in ihrer Entwicklung an der Idee der Nachhaltigkeit orientieren will. Zur praxisnahen Gestaltung des Leitfadens gehört es auch, dass die Einführung einer nachhaltigkeitsorientierten Gemeindeführung an den konkreten Schritten, die dabei zu erfolgen haben, gezeigt wird. Eine Auswahl der Instrumente, Checklisten und Beispiel steht auf www.nogf.ch online zur Verfügung.
    »Download ARE_2007 (pdf; 1281kB)
  • Fricker, Jonas et al. (2010): Nachhaltigkeitsorientierte Führung von Gemeinden. Einführung und Leitfaden für die Praxis. Chur: Rüegger Verlag.
    Der Leitfaden des Kompetenzzentrums für nachhaltige Gemeinden bietet in übersichtlicher Form eine Zusammenstellung von Hinweisen, Instrumenten und Checklisten mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung von Gemeinden. Die Darstellung von Modellen und Ansätzen der Prozessgestaltung ebenso wie die vielen Praxisbeispiele unterstützen eine zielorientierte Gestaltung und Überprüfung der Prozesse, die erforderlich sind, wenn sich eine Gemeinde in ihrer Entwicklung an der Idee der Nachhaltigkeit orientieren will. Zur praxisnahen Gestaltung des Leitfadens gehört es auch, dass die Einführung einer nachhaltigkeitsorientierten Gemeindeführung an den konkreten Schritten, die dabei zu erfolgen haben, gezeigt wird. Eine Auswahl der Instrumente, Checklisten und Beispiel steht auf www.nogf.ch online zur Verfügung.


 Weiteres dazu im
 Handbuch

 Links

 Dokumentinformationen
  • Autorin: S. Ulli-Beer
  • Erstellt:
    19. Oktober 2004
  • Redaktorin: K. Gasser
  • Dokumententyp: Wegmarken