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 Handbuch:  Vorbereitung – wie fangen wir es an?

 Phase A: Vorbereitung – wie fangen wir es an?

Problembewusstsein stärken

Frage: Wie kann man in der Gemeinde das Bewusstsein für vorhandene Probleme und deren Zusammenhang zu einer LA21 fördern?

Kurz gesagt: Um Akteure für einen LA21-Prozess mobilisieren zu können, muss in der Gemeinde ein angemessenes Problembewusstsein vorhanden sein. Ein Problembewusstsein wird geschaffen, indem ein Problem wahrnehmbar und bewertbar ist und als bewältigbar angesehen wird.

 

Gründe für mangelndes Problembewusstsein

Ein angemessenes Problembewusstsein ist Grundvoraussetzung für das Mobilisieren von Akteuren für einen LA21 Prozess (>> Akteure mobilisieren und begleiten). Nachfolgend wird erläutert, worauf ein mangelndes Problembewusstsein zurückgeführt werden und wie dieses behoben werden kann. Dies wird anschliessend an Beispielen von Gemeindeproblemen veranschaulicht.

Ein mangelndes Bewusstsein bezüglich Gemeindeproblemen kann darauf zurückgeführt werden, dass diese Probleme

  • gar nicht direkt wahrnehmbar sind (z.B. eine allgemein sinkende Lebensqualität), weil sie nicht oder nur schwer erfassbar sind;
  • nicht adäquat bewertet werden können (z.B. inwiefern eine fehlende Standortattraktivität schlecht ist), weil das Wissen und die Fähigkeiten zur Bewertung nicht vorhanden sind;
  • durch die Personen nicht oder nur in sehr beschränktem Masse beeinflussbar sind (z.B. Verbesserung der Luftqualität), weil sie nicht die Möglichkeiten haben oder sehen, die Probleme anzugehen.

Ein Problembewusstsein wird geschaffen, indem ein Problem wahrnehmbar und bewertbar ist und als bewältigbar angesehen wird. Ausserdem müssen bei jedem Problem dessen soziale, ökonomische und ökologische Aspekte erkannt werden, damit es für die nachhaltige Entwicklung einer Gemeinde relevant wird.

 

Ansatzmöglichkeiten

Die Wahrnehmungsfähigkeit für ein Problem kann verbessert werden, indem

  • es in bekannten Quantitäten dargestellt wird,
  • Vergleiche zum alltäglichen Leben hergestellt,
  • die Folgen verdeutlicht und
  • direkte Rückmeldungen zu Problemveränderungen gegeben werden.

Die Bewertungskompetenz für ein Problem kann gefördert werden, indem

  • Werte und Massstäbe vereinbart werden,
  • das anwendungsorientierte Wissen erweitert und
  • die Vernetztheit der Probleme vermittelt wird.

Die Bewältigungskapazität für Probleme kann erhöht werden, indem

  • aufkommende Ängste angesprochen,
  • gehbare Lösungswege aufgezeigt werden und
  • zu gemeinsamem Handeln angeleitet wird.

 

Beispiel sinkende Lebensqualität

Neben seinen sozialen Aspekten weist eine sinkende Lebensqualität auch ökonomische Aspekte auf, da die Gemeindebewohner die Tendenz haben werden, die Gemeinde zu verlassen, wodurch die Arbeitskräftesituation in der Gemeinde verschlechtert wird und der Gemeinde Steuern entgehen (>> Lebensqualität).

Die Wahrnehmungsfähigkeit für die sinkende Lebensqualität in einer Gemeinde könnte verbessert werden, indem auf das sinkende Einkommen bestimmter Schichten hingewiesen wird (als einen möglichen Aspekt der Lebensqualität), indem dargestellt wird, was sich solche Familien nicht mehr leisten können und indem die Veränderung des Einkommens über die Jahre aufgezeigt wird.

Die Bewertungskompetenz für die sinkende Lebensqualität in einer Gemeinde könnte gefördert werden, indem die Nähe zur Armutsgrenze klargelegt wird, indem das Wissen um die vielfältigen und vernetzten Ursachen des verringerten Einkommens dargelegt wird (z.B. dass Personen mit geringer Bildung von einer sinkenden Lebensqualität am ehesten betroffen sind).

Die Bewältigungskapazität für die sinkende Lebensqualität in einer Gemeinde könnte erhöht werden, indem darüber gesprochen wird, dass dies alle betreffen kann, dass der Entwicklung aber mit Massnahmen, welche die Gemeinde als Standort für Betriebe und als Wohngemeinde attraktiver machen, entgegen gewirkt werden kann. Es soll deutlich gemacht werden, dass die Möglichkeit besteht, als Gruppe Vorschläge für solche Massnahmen und deren Umsetzung auszuarbeiten.

 

Beispiel fehlende Standortattraktivität

Neben ihren ökonomischen Aspekten hat die Standortattraktivität auch soziale Auswirkungen, da die Ansiedlung von Betrieben unter anderem auch das Angebot an Arbeitsstellen erhöht.

Die Wahrnehmungsfähigkeit für fehlende Standortattraktivität in einer Gemeinde könnte verbessert werden, indem verglichen wird, wie attraktiv die Gemeinde für Familien ist (im Vergleich zu anderen Gemeinden); indem die Folgen für das Arbeitsstellenangebot aufgezeigt werden und indem mittels eines anerkannten Einschätzungsinstruments fortlaufende Veränderungen der Standortattraktivität übermittelt werden (siehe Links). Eine Möglichkeit, solche Veränderungen zu dokumentieren, bieten auch sogenannte Nachhaltigkeitsindikatoren (>> Wirkung beurteilen).

Die Bewertungskompetenz für fehlende Standortattraktivität in einer Gemeinde könnte gefördert werden, indem der Vergleich mit anderen Gemeinden gesucht wird und indem die vielfältigen Bedingungen für einen attraktiven Standort wie Arbeitskräftequalität, Auflagen, Bewilligungsverfahren etc. aufgezeigt werden.

Die Bewältigungskapazität für fehlende Standortattraktivität in einer Gemeinde könnte erhöht werden, indem drohende Arbeitsplatzverluste angesprochen werden und indem kurz- und langfristige Verbesserungsmöglichkeiten für die Standortattraktivität (Vereinfachung von Bewilligungsverfahren, Organisieren von Weiterbildungsangeboten etc.) entworfen werden. Ausserdem könnte aufgezeigt werden, wie im Rahmen einer Initiative der Bürgerinnen und Bürger zusammen mit Personen aus der Wirtschaft eine Verbesserung der Standortattraktivität bewirkt werden könnte.

 

Linkverzeichnis

 

Literaturverzeichnis

  • Preuss, Sigrun (1991): Umweltkatastrophe Mensch. Über unsere Grenzen und Möglichkeiten, ökologisch bewusst zu handeln. Heidelberg: Asanger.
    Die Autorin liefert eine exzellente Analyse der beschriebenen Komponenten des Problembewusstseins. Allerdings bezieht sie sich dabei ausschliesslich auf Umweltprobleme.
  • Vereinigung für Ökologische Ökonomie (1999): Theorie und Praxis des Kollektiven Handelns. Das Beispiel der Lokalen Agenda 21. Dokumentation der 2. Arbeitstagung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie. München: ökom. S. 39 - 43.
    Theorie und Praxis des Kollektiven Handelns. Das Beispiel der Lokalen Agenda 21. Dokumentation der 2. Arbeitstagung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie. München: ökom, S. 39 - 43.
  • Credit Suisse (2004): Standortqualität: Mehr als ein Schlagwort.
    Standortqualitätsindex der Credit Suisse: Ein mögliches Messinstrument für die Standortqualität.
    »Download CS_2004.pdf (pdf; 262kB)
  • Handels- und Industrieverein des Kantons Bern (2000): Die wirtschaftlichen Standortqualitäten bernischer Gemeinden. Teil 4: Berner Oberland (mit Schwarzenburg und Seftigen).
    Der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern analysierte die wirtschaftlichen Standortqualitäten bernischer Gemeinden. Das Beispiel Sigriswil zeigt die verschiedenen Faktoren, die dabei berücksichtigt wurden.
    »Download HIV_Kanton_Bern_2000 (pdf; 143kB)


 Weiteres dazu im
 Handbuch

 Links

 Dokumentinformationen
  • Autor: H. Mosler
  • Erstellt:
    19. Oktober 2004
  • Redaktorin: K. Gasser
  • Dokumententyp: Wegmarken