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 Handbuch:  Thema: Lebensqualität

 Handlungsfelder zum Thema: Lebensqualität  
 

Lebensqualität

Kurz gesagt: Lebensqualität ist schwer zu definieren. Je nach Kontext sind einige Aspekte gewichtiger als andere: Sowohl elementare Bedürfnisse wie Ernährung, Wohnen, Arbeit usw. wie auch soziale Bedürfnisse oder abstrakte Werte wie Gestaltungsfreiheit können eine Rolle spielen. Die Gemeinde kann beispielsweise in der Ortsplanung (Freizeit- und Naherholungsmöglichkeiten anbieten) oder durch Aktionen zur Förderung der sozialen Integration (kulturelle Angebote etc.) Einfluss nehmen auf die Lebensqualität.

 

Was heisst Lebensqualität?

Sowohl die Definition als auch das Erfassen resp. Messen von „Lebensqualität“ sind stark kontextabhängig: Auf globaler Ebene wird Lebensqualität als Indikator für Nachhaltigkeit gehandelt, gemessen durch statistische Bevölkerungs- Wirtschafts- und Umweltdaten wie z.B. Kaufkraft, Kindersterblichkeitsrate und Schadstoffbelastung der Umwelt. Je lokaler Lebensqualität betrachtet wird, desto stärker beeinflussen das spezifische Umfeld und die Lebenssituation das, was jemand unter Lebensqualität versteht und die Gewichtung der verschiedenen Aspekte von Lebensqualität.
Lebensqualität hat mit menschlichen Bedürfnissen zu tun, mit dem Wunsch nach einem Leben, in dem sich elementare Bedürfnisse wie Ernährung, Wohnen, Arbeit, Ausbildung und Erholung, aber auch soziale, kulturelle und gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigen lassen. Je nach Zielgruppe gelten auch abstrakte Werte wie Gestaltungsfreiheit, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Spiritualität, oder materielle Werte, (z.B. Zugang zu Luxusgütern) als wichtige Elemente persönlicher lokaler Lebensqualität.

 

„Trade-off“ versus „win-win“

Oftmals werden Bedürfnisse erst nach einem Verlusterlebnis bewusst, wenn sie nicht mehr befriedigt werden. Seit langem erforscht wird Lebensqualität im Zusammenhang mit Gesundheitsfragen. In dieser Forschungstradition ging und geht es darum, Wege aufzuzeigen, wie ein maximales Mass an Lebensqualität trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen erhalten werden kann. Solche trade-off-Situationen, in denen verschiedene Aspekte gegeneinander abgewogen werden müssen, sind auch verbreitet, wenn Personen zum nachhaltigen Handeln bewegt werden sollen: Beispielsweise kommt man ohne Auto vielleicht weniger schnell von A nach B und verliert deshalb ein Stück persönliche Lebensqualität, aber die Lebensqualität im Quartier steigt, weil nun weniger motorisierter Verkehr vorhanden ist.

Neben den zahlreichen trade-off-Situationen sollte die Suche nach Zielharmonien nicht vernachlässigt werden: Bei Interventionen auf lokaler Ebene geht es auch darum, Argumente dafür zu finden, auf welche Weise verschiedene wichtige Aspekte der Lebensqualität wie Gesundheit und Sicherheit durch nachhaltiges Handeln gesteigert werden können, d.h. wie win-win-Situationen geschaffen werden können.

 

Lebensqualität im Kontext einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung

Alle streben nach einer möglichst hohen persönlichen Lebensqualität. Deshalb ist die Aussicht auf eine Verbesserung wichtiger Aspekte der persönlichen Lebensqualität ein Grund, sich dafür zu engagieren, sofern dabei ein genügend grosser persönlicher (materieller oder immaterieller) Gewinn winkt.

Die Stärke einer Gemeinde oder einer Region ist die räumliche und soziale Nähe. Diese erleichtert es zum einen, gemeinsame spezifische Ziele zu formulieren, die von der grossen Mehrheit der Betroffenen getragen werden. Zum anderen vereinfacht sie auch die Organisation und Koordination von Aktionen.

Wichtige Einflussmöglichkeiten der Gemeinde auf die Lebensqualität bestehen in der Ortsplanung (Freizeit- und Naherholungsmöglichkeiten), in der Verkehrsplanung (Sicherheit), in Aktionen, welche soziale Integration innerhalb der Gemeinde fördern (kulturelle Angebote, spezielle Angebote für Familien, Alter, Jugend), sowie in der Förderung von Nahversorgungsmöglichkeiten.

 

Mögliche Stolpersteine

Der Begriff „Lebensqualität“ eignet sich unspezifiziert nur bedingt als Verkaufsargument von Aktionen oder Massnahmen. Das Motto „lasst uns die Lebensqualität verbessern“ wird zwar nirgends auf Ablehnung stossen. Sofern jedoch der Begriff abstrakt bleibt und nicht spezifische wichtige Aspekte der Lebensqualität im Alltag der lokalen Bevölkerung thematisiert werden, bleibt der Anstoss zum Handeln klein. Die Leute wollen bei ihren eigenen Bedürfnissen „abgeholt“ werden und die Sicherheit haben, dass andere auch mittun (>> Akteure mobilisieren und begleiten). Deshalb gilt es, zuerst lokale Probleme zu orten, die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung abzuklären und festzustellen, welche Elemente der Lebensqualität in der Gemeinde verbessert werden könnten (>> Ziele formulieren, >> Lokale Situation beurteilen).

 

Linkverzeichnis

  • http://www.utoronto.ca/qol/
    Diese Website der Universität von Toronto bietet unter „concepts“ ein einfach verständliches, grundlegendes Arbeitsmodell für Forschungszwecke (z.B. Befragungen), was unter Lebensqualität verstanden werden kann und welche Elemente das Konzept Lebensqualität umfassen kann. Es wurde bisher im Kontext von Gesundheitskampagnen und Projekten zur Verbesserung der Lebensqualität von Randgruppen angewandt. Es wird über ein Projekt zur genaueren Bestimmung von Lebensqualität in der Gemeinde berichtet. Die Seite ist nur in Englisch verfügbar.
  • http://cordis.europa.eu/life/
    Der Community research and development information service (CORDIS) bietet Zugang zu einem breiten Spektrum europäischer Forschung und Innovationsentwicklungsaktivitäten. An Forschung Interessierte finden ein Quality of Life Bulletin mit aktuellen Informationen zu Kongressen und neusten Fachpublikationen. Die Seite ist nur in Englisch verfügbar.
  • http://www.isqols.org/
    Diese Seite der International Society of Quality of Life Studies (ISQOLS) bietet u.a. eine Experten-Datenbank mit Adressen von Lebensqualitätsexperten in unzähligen Bereichen wie z.B. Konsumverhalten, Lebenszufriedenheit, Lebensqualität im Zusammenhang mit Gesundheit u.v.a. mehr. Die Seite ist nur in Englisch verfügbar.

 

Literaturverzeichnis

  • Eppler, Erhard (2000): Was braucht der Mensch. Frankfurt: Campus Verlag.
    Das Buch geht der Frage der Grundbedürfnisse aus politischer, wirtschaftlicher, kultureller und historischer Sicht nach. Ein Denkanstoss, was unter einer Politik im Sinne der Grundbedürfnisse verstanden werden kann.
  • Majer, Helge (Hrsg.) (1984): Qualitatives Wachstum. Einführung in die Konzeptionen der Lebensqualität. Frankfurt/New York: Campus Verlag.
    In diesem von WissenschafterInnen verfassten Grundlagenwerk werden die unterschiedlichen Konzeptionen von Lebensqualität und qualitativem Wachstum beschrieben und analysiert. Es bietet differenzierte Hintergrundinformationen für Forschung, Publizistik und Politik.
  • Häberli, Rudolf et al. (Hrsg.) (2002): Vision Lebensqualität. Nachhaltige Entwicklung. Ökologisch notwendig, wirtschaftlich klug, gesellschaftlich möglich. Zürich: vdf Hochschulverlag ETH.
    Dieser Synthesebericht des Schwerpunktprogrammes Umwelt des SNF fasst die Erkenntnisse mehrjähriger Forschungstätigkeit im Bereich Nachhaltigkeit allgemein verständlich zusammen und bietet Hintergrundinformationen zu zahlreichen wichtigen Aspekten der Lebensqualität. http://www.sppe.ch/de/sppe_set.html
  • Direktion für Bildung, Umwelt und Integration der Stadt Bern (Hrsg.) (2000): Lebensqualitätsbericht der Stadt Bern. Bern: Gesundheitsdienst.
    Wer Lebensqualität in einer Gemeinde in verschiedenen Quartieren messen will, findet in diesem Bericht ein Beispiel.


 Weiteres dazu im
 Handbuch

 Links

 Dokumentinformationen
  • Autorin: S. Bruppacher
  • Erstellt:
    19. Oktober 2004
  • Redaktorin: K. Gasser
  • Dokumententyp: Handlungsbereiche