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 Handbuch:  Thema: Verkehr und Mobilität

 Handlungsfelder zum Thema: Verkehr und Mobilität  
 

Handlungsfeld Förderung Fuss- und Radverkehr

Kurz gesagt: Fuss- und Radverkehr ist die natürlichste Art der Fortbewegung und hat viele Vorteile (emissionslos, flächensparend, gesund...). Die Förderung der „human powered mobility“ sollte deshalb Kernstück jeden LA21-Prozesses sein. Sinnvoll ist die Bezeichnung verantwortlicher Personen in der Verwaltung sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Fuss- und Velolobby.

 

Human powered mobility: Die natürlichste Art der Fortbewegung

Die erfolgreiche Förderung des Fuss- und Radverkehrs (= human powered mobility, HPM) bringt den Gemeinden in allen drei Nachhaltigkeitsdimensionen erhebliche Vorteile: Erstens entlasten diese emissionslosen und flächensparenden Fortbewegungsarten die Umwelt erheblich, zweitens erbringen sie einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung und drittens ist von einer beträchtlichen Kosteneinsparung sowohl für die öffentliche Hand (Infrastrukturkosten) als auch für Private auszugehen.

 

Grosses Potential

Der Anteil von Fuss- und Radverkehr an den in der Schweiz zurückgelegten Kilometern ist klein. Hingegen zeigt der Mikrozensus 2000 deren herausragende Bedeutung für die Gewährleistung der Mobilität an und für sich: Beispielsweise machen sie 48% der Wegetappen im Ausbildungsverkehr aus (und entlasten damit viele Erwachsene von Kindertransporten), 51% beim Einkaufsverkehr und 48% beim Freizeitverkehr.

Das NFP 41 zeigte, dass in städtischen Räumen bei einer konsequenten Förderung 20% des motorisierten Individualverkehrs innerhalb von 10 Jahren auf diese Verkehrsarten verlagert werden könnten. Angesichts der vielfältigen Vorteile, der im Allgemeinen breiten Akzeptanz, und der verhältnismässig geringen Kosten für die betroffenen Gemeinden sollte die Förderung der HPM deshalb ein Kernstück jeden LA21-Projekts bilden. Zielkonflikte mit anderen Handlungsfeldern sind nicht zu erwarten. Sinnvoll scheint die Bezeichnung verantwortlicher Personen in der Verwaltung und die enge Zusammenarbeit mit Kanton sowie Fuss- und Radverkehrs-Lobby (z.B. IG Velo).

 

Positive Beispiele

  • Fussgänger- und Velomodellstadt Burgdorf: Das wohl beste Beispiel für eine integrale Förderung des Langsamverkehrs ist die Stadt Burgdorf. In Burgdorf wurden in den letzten Jahren verschiedene Projekte realisiert, die den Fuss- und Veloverkehr fördern, z.B. ein Fussgänger-Leitsystem, ein Hauslieferdienst per Velo, eine fuss- und velofreundliche Verbindung zwischen zwei Stadtteilen, Vermietung von Elektro-Fahrrädern etc.
  • Slow Up: Grundlage für die autofreien Erlebnistage namens Slow Up sind möglichst flache und für Autos gesperrte Kantons- und Gemeindestrassen mit einer Länge von 20 bis 50 Kilometern. Die Strassen stehen einen Tag all jenen zur Verfügung, die sich mit eigener Kraft auf Rädern, Rollen oder zu Fuss bewegen. Ein SlowUp bietet eine bequeme Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ein kulinarisch, kulturell und sportlich attraktives Rahmenprogramm.
  • NewRide: Das Förderprogramm NewRide für Elektro-Bikes und Elektro-Scooter unterstützt seit 2001 Gemeinden erfolgreich bei der Propagierung dieser fast emissionsfreien Fahrzeuge.

 

Zuständigkeiten

Folgende amtliche Stellen sind für den Fuss- und Radverkehr zuständig:

  • Bundesamt für Strassen (ASTRA), Bereich Langsamverkehr
  • Bundesamt für Energie (BfE), Marktbereich Mobilität
  • diverse kantonale und städtische Fachstellen

 

Phase A: Vorbereitung – wie fangen wir es an?

 Wegmarken Phase A

Die Kombination von Gesundheitsförderung und Umweltschutz wirkt auf breite Teile der Bevölkerung sehr überzeugend.

 

Phase C: Analyse – wo stehen wir?

 Wegmarken Phase C

Als Indikator kann der Modalsplit, d.h. die Verteilung des Verkehrs auf die verschiedenen Verkehrsmittel dienen. Als Faustregel gilt dabei: Der Anteil der zu Fuss oder mit dem Rad zurückgelegten Wege und Kilometer sollte möglichst hoch sein. Die lokalen Zustände können durch Verkehrszählungen oder Umfragen erhoben werden. Bei Umfragen können zusätzlich auch die Gründe für die Verkehrsmittelwahl erfragt und daraus das theoretische Potential des Fuss- und Radverkehrs abgeleitet werden.

Auf dem Netz der Gemeindestrassen ist der Handlungsspielraum der Gemeinden relativ gross, die nationalen Normen für Rad- und Fusswege sollten jedoch eingehalten werden. Die meisten Hauptverkehrsstrassen – innerorts oft die problematischsten Teile des Strassennetzes – sind Kantonsstrassen, eine enge Zusammenarbeit mit den kantonalen Planern drängt sich deshalb auf (>> Gestaltung von Hauptstrassenräumen)

 

Phase D: Strategie – wer macht was wann?

 Wegmarken Phase D

Die topographische Situation ist bei der Planung zu berücksichtigen: Zu grosse Höhenunterschiede werden für die meisten RadfahrerInnen zur Barriere. Ausserdem ist bei der Planung von Fuss- und Radverkehrsnetzen auf Gefahrenpunkte (Unfälle, Sicherheit nachts etc.) zu achten.

Traditionell engagiert sich der Staat vor allem im Bereich der Infrastruktur (Netz der Verkehrswege, Abstellplätze). In einem LA21-Prozess könnte es darüber hinaus gehend Sinn machen, mit weiteren Massnahmen die Nutzung dieser Verkehrsmittel zu fördern (bewachte Velostationen, Velobörsen, Reparaturservice usw.).

 

Phase E: Evaluation – was haben wir erreicht?

 Wegmarken Phase E

Die Wirksamkeit der Massnahmen kann aus der Entwicklung des Modalsplits (und weniger aussagekräftig aus reinen Frequenzzählungen) abgeleitet werden Für die Erhebung der Zufriedenheit der lokalen Bevölkerung mit dem Fuss- und Radverkehr bieten sich je nach Fragestellung verschiedene Methoden der Sozialforschung (Umfragen, Interviews, Fokusgruppen usw.) an.

 

Linkverzeichnis

  • http://www.fussverkehr.ch
    Fussverkehr Schweiz: Dachverband der Fussgängerinnen und Fussgänger
  • http://www.veloland.ch
    Veloland Schweiz: Seit 1995 bestehende gemeinnützige Stiftung zur Förderung des nachhaltigen Freizeitverkehrs und insbesondere der „human powered mobility“.
  • http://www.burgdorf.ch/901.html
    In der Fuss- und Velomodellstadt Burgdorf wurden verschiedene Projekte zur Förderung des Fuss- und Radverkehrs realisiert. Die Website gibt Auskunft über das gesamte Programm und über die einzelnen Projekte.
  • http://www.slowup.ch/
    An den autofreien Erlebnistagen SlowUp gehören die Strassen ganz dem Langsamverkehr. Die Website informiert über die SlowUp-Idee und über die geplanten Events.
  • http://www.newride.ch
    Newride ist ein Programm zur Förderung von Elektro-Scootern und E-Bikes. Es unterstützt Gemeinden in der Propagierung dieser umweltfreundlichen Fahrzeuge. Ausserdem macht NewRide auf seiner Website verschiedene Angebote im Bereich Mobilitätsmanagement, beispielsweise steht ein Mobilitätsmanagement-Guide mit konkreten Massnahmen und Beispielen zum Download zur Verfügung.
  • http://www.astra.admin.ch/themen/langsamverkehr/index.html
    Bundesamt für Strassen (ASTRA), Bereich Langsamverkehr. Auf der Website sind politische Aktualitäten im Bereich Langsamverkehr (Fuss- und Veloverkehr) erläutert.
  • http://www.bfe.admin.ch
    EnergieSchweiz bietet auf seiner Website verschiedene Dienstleistungen, Hintergrundinformationen und konkrete Beispiele im Bereich Verkehr und Mobilität an, u.a. auch in Bezug auf die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs.

 

Literaturverzeichnis

  • Netzwerk Langsamverkehr (Hrsg.) (1999): Die Zukunft gehört dem Fussgänger- und Veloverkehr. Stand des Wissens, Massnahmen, Potentiale, Schritte zu einer verkehrspolitischen Neuausrichtung. Bericht A9 im Rahmen des NFP 41 Verkehr und Umwelt. Bern: EDMZ.
    Umfassender Überblick über den Stand des Wissens bezüglich Fussgänger- und Radverkehr in der Schweiz.


 Weiteres dazu im
 Handbuch
  • keine Empfehlungen

 Links

 Dokumentinformationen
  • Autor: U. Haefeli
  • Erstellt:
    26. Oktober 2004
  • Redaktorin: K. Gasser
  • Dokumententyp: Handlungsbereiche