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 Handbuch:  Analyse – wo stehen wir?

 Phase C: Analyse – wo stehen wir?

Lokale Situation beurteilen

Frage: Wozu dient die Beurteilung der lokalen Situation und welche Methoden eignen sich dafür?

Kurz gesagt:       Vor dem Hintergrund der erarbeiteten Vision, der Leitbilder und der Ziele muss die momentane Situation der Gemeinde, der „Ist-Zustand“, beurteilt werden. Die Ist-Analyse zeigt, von welchen der formulierten Zielen die Gemeinde am weitesten entfernt ist bzw. wo dringender Handlungsbedarf besteht. Für die Beurteilung der lokalen Situation können unterschiedliche Methoden angewandt werden, beispielsweise die SWOT-Analyse.

 

Auf dem Weg zur Standortbestimmung

Nachdem gewisse Vorabklärungen durchgeführt worden sind (>> Vorabklärungen treffen), und mittels einer Vision und der Entwicklung von Zielen ein Soll-Zustand für die Gemeinde formuliert wurde (>> Vision und Leitbilder erarbeiten, >> Ziele formulieren), muss die momentane Situation der Gemeinde, der Ist-Zustand, bewertet werden.

Der Hintergrund für die Beurteilung des Ist-Zustands ist durch die Leitidee der nachhaltigen Entwicklung (>> Anforderungen an Strategien der Nachhaltigkeit), durch die erarbeitete Vision, und die entwickelten Leitbilder und Ziele gegeben. Wenn beispielsweise als Ziel formuliert wurde „alle Erwachsenen in unserer Gemeinde können lesen und schreiben“, so sollten bei der Ist-Analyse Statistiken über die Anzahl Analphabeten oder Einschätzungen von Experten in diesem Bereich beigezogen und analysiert werden. Die Ist-Analyse zeigt, von welchen der gesteckten Zielen die Gemeinde am weitesten entfernt ist bzw. wo dringender Handlungsbedarf besteht. Zusammen mit der Einschätzung des Handlungsspielraums (>> Handlungsspielraum einschätzen) dient sie als Grundlage für die Bestimmung der zu verfolgenden Ziele und der geeigneten Instrumente und Massnahmen (>> Instrumente und Massnahmen). Es ist wichtig, der Ist-Analyse genügend Zeit einzuräumen, damit eine vielseitige Diagnose stattfinden kann und verschiedenste Perspektiven einbezogen werden können. Die Beurteilung der lokalen Situation sollte möglichst systematisch und professionell durchgeführt und dokumentiert werden. Es empfiehlt sich, für diesen Schritt im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten eine erfahrene, externe Beratung beizuziehen (>> Externe Beratung beiziehen).

Vor dem Hintergrund der ins Auge gefassten Ziele kann zum einen der Ist-Zustand der Gemeinde (Arbeitsplätze, Wohnbevölkerung, Tourismus etc.) beurteilt werden. Zum anderen können bestehende Projekte und Massnahmen im Hinblick auf ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung bewertet werden (für die Bewertung geplanter Instrumente und Massnahmen vgl. >> Instrumente und Massnahmen auswählen). Eine Beurteilung sollte stets die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit – Umwelt, Soziales und Wirtschaft – berücksichtigen.
Für die Beurteilung der lokalen Situation können unterschiedliche Methoden angewandt werden. Wichtig ist, dass die gewählte Methode kompatibel ist mit dem Indikatorensystem, das verwendet werden soll (>> Indikatoren entwickeln). Im Folgenden werden einige gängige Beurteilungs-Instrumente, die in der Schweiz im Rahmen von LA21-Prozessen verwendet werden, vorgestellt.

 

Die SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse (Strengths / Stärken – Weakness / Schwächen – Opportunities / Chancen – Threats / Gefahren) kann sowohl zur Beurteilung einzelner Projekte als auch ganzer Entwicklungsgebiete eingesetzt werden. Sie erlaubt, sowohl die Stärken und Schwächen (statische Beschreibung) als auch die Chancen und Gefahren verschiedener Entwicklungslinien (in einem dynamischen Zusammenhang) aufzuzeigen.

http://www.4managers.de/management/themen/swot-analyse/
Da die SWOT-Analyse ursprünglich aus der Betriebswirtschaft stammt, ist auch der Grossteil der Literatur im Management-Bereich zu finden. Die Website „4managers“ bietet Unterlagen und Hilfestellungen für das Management von Unternehmen – u.a. wird die SWOT-Analyse vorgestellt. Die Ausführungen können gut auf die Bedingungen einer Gemeinde übertragen werden.

>> PDF befindet sich im Literaturverzeichnis: siehe WWZ_2000
Eine illustrative Kurzfassung über die Studie „Perspektiven für das Laufental“, in welcher die SWOT-Analyse eingesetzt wurde. Der Bericht beinhaltet eine Tabelle, die aufzeigt, wie Stärken und Schwächen als Chancen genutzt werden können oder wann sie zu einem Risiko (zu einer Gefahr) werden.

>> PDF befindet sich im Literaturverzeichnis: siehe Regierungsrat Obwalden_2003
Ein umfassender Bericht über eine SWOT-Analyse für den Kanton Obwalden. Es wird eine Beurteilung des Handlungsbedarfs und Handlungsspielraums vorgenommen.

 

Faktor 21

Faktor 21 ist ein Analyse-Instrument für gemeindepolitische Maßnahmen, das vom Verein Energiestadt entwickelt wurde. Es ermöglicht eine erste qualitative Standortbestimmung und Sensibilisierung der Gemeindebehörden (Stärken- und Schwächenanalyse).

http://www.baselland.ch/fileadmin/baselland/files/docs/bud/aue/nach/bericht_11-04-03.pdf
Im Förderprogramm für nachhaltige Entwicklung des Kantons Baselland ist vorgesehen, dass jede Gemeinde eine Nachhaltigkeitsanalyse durchführt. Dabei sollen die bisherigen und zukünftigen Aktivitäten einer Gemeinde in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit bewertet werden. Aufgrund der Analyse wird entschieden, welche Massnahmen prioritär an die Hand genommen werden resp. neu hinzu kommen müssen (>> Instrumente und Massnahmen auswählen). Das zum Einsatz kommende Analyseinstrument baut auf Faktor 21 auf. Der Bericht gibt detailliert Auskunft darüber, wie die Analyse abläuft.

 

OptimaMix

http://www.ikaoe.unibe.ch/forschung/ip/ip.beurteilungsinstrument.html
Dieses Instrumentarium dient dazu, die bereits eingesetzten Instrumente und Massnahmen zu bewerten. Dies ergibt eine gute Ausgangslage, um zu bestimmen, welche weitere Massnahmen ergriffen werden sollen (>> Instrumente und Massnahmen auswählen). OptimaMix kann für unterschiedliche Handlungsbereiche eingesetzt werden, wurde aber in erster Linie erarbeitet, um Projekte und Massnahmen im Umweltbereich zu beurteilen.

 

Standortqualitätsindex

Aus einer eher wirtschaftlichen Perspektive stehen Instrumente zur Messung der Standortqualität zur Verfügung, bspw. der Standortqualitätsindex der Credit Suisse: http://emagazine.credit-suisse.com/app/_customtags/download_tracker.cfm?dom=emagazine.credit-suisse.com&doc=/data/_product_documents/_articles/47702/Text_SQI_
Spotlight_d_final.pdf&ts=20100622163000

>> PDF befindet sich im Literaturverzeichnis: siehe HIV Kanton Bern_2000
Der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern analysierte die wirtschaftliche Standortqualität von Berner Gemeinden. Das Beispiel Sigriswil zeigt, welche verschiedenen Faktoren dabei berücksichtigt wurden.

 

Gemeindeprofilograf

Der von der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern herausgegebene Gemeindeprofilograf ist ein einfaches Instrument für die Feststellung und Beurteilung der Stärken und Schwächen einer Gemeinde aus Sicht der Nachhaltigen Entwicklung. Er ermöglicht eine ganzheitliche Zustandsanalyse. Der Gemeindeprofilograf beinhaltet ein umfassendes Set von Indikatoren. Jedem Indikator wird auf einer mehrstufigen Skala ein Wert zugeordnet. Ergebnis des Gemeindeprofilografs ist ein qualitatives Stärken-Schwächenprofil.

Der Gemeindeprofilograf lässt sich grundsätzlich in jeder Gemeinde unabhängig ihrer Grösse einsetzen.

Das Instrument (Version 2011) für die Erstellung eines Stärken-Schwächenprofils (inkl. Kurzanleitung) kann im Internet runtergeladen werden: http://www.bve.be.ch/bve/de/index/direktion/ueber-die-direktion/dossiers/nachhaltige_entwicklungne/ne_in_der_gemeinde/gemeindeprofilograf.html

Eine ausführliche Beschreibung des Instruments (Leitfaden) kann beim Amt für Umweltkoordination und Energie (AUE) des Kantons Bern gratis bestellt werden.

 

 

Linkverzeichnis

  • http://www.4managers.de/management/themen/swot-analyse/
    Da die SWOT-Analyse ursprünglich aus der Betriebswirtschaft stammt, ist auch der Grossteil der Literatur im Management-Bereich zu finden. Die Website „4managers“ bietet Unterlagen und Hilfestellungen für das Management von Unternehmen – u.a. wird die SWOT-Analyse vorgestellt. Die Ausführungen können gut auf die Bedingungen einer Gemeinde übertragen werden.
  • http://www.ikaoe.unibe.ch/forschung/ip/ip.beurteilungsinstrument.html
    Dieses Instrumentarium dient dazu, die bereits eingesetzten Instrumente und Massnahmen zu bewerten. Dies ergibt eine gute Ausgangslage, um zu bestimmen, welche weitere Massnahmen ergriffen werden sollen (>> Instrumente und Massnahmen auswählen). OptimaMix kann für unterschiedliche Handlungsbereiche eingesetzt werden, wurde aber in erster Linie erarbeitet, um Projekte und Massnahmen im Umweltbereich zu beurteilen.
  • http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/21/02/dashboard/
    01.html

    Das Bundesamt für Statistik (BFS) stellt im Internet eine auf dem Indikatorenset MONET basierende Internet-Anwendung zur Verfügung, welche zeigen soll, wo die Schweiz in Bezug auf verschiedene Aspekte einer Nachhaltigen Entwicklung steht. Es soll ersichtlich sein, in welchen Bereichen sich die Schweiz auf einem guten Weg befindet und in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Die Analyse erfolgt aufgrund der über 120 vom Bund entwickelten Indikatoren einer Nachhaltigen Entwicklung, die Darstellung ist einem Armaturenbrett eines Autos oder Flugzeugs nachempfunden. Nebst ewiner Gesamtschau ist es aber auch möglich, sich auf einen Faktor zu konzentrieren und sich die Lage dazu darstellen zu lassen. Da über das "Cockpit der Nachhaltigen Entwicklung" ausserdem weitere Informationen zum Indikatorenset des Bundes abrufbar sind und die Internet-Anwendung entsprechend der Weiterentwicklung der Indikatoren aktualisiert wird, eröffnet das Cockpit einen umfassenden und aktuellen Zugang zum Stand der Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz.

 

Literaturverzeichnis

  • Thierstein, Alain & Walser, Manfred (2000): Die nachhaltige Region. Ein Handlungsmodell. Bern: Haupt.
    Gutes Buch über die Idee der Nachhaltigkeit und ihre regionale Umsetzung. Liefert ein anschauliches Modell über die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit, u.a. anhand einer „Nachhaltigkeitsblume“. Beinhaltet regionale Beispiele, bei denen Strategiebildungsprozesse analysiert werden. Weiter wird die Bodenseeregion als Modellregion diskutiert.
  • Verein Lokale Agenda 21 (2000): Handbuch Lokale Agenda 21. Bern: Bundesamt für Raumentwicklung.
    Praxisorientiertes Handbuch (Ringordner), das zu allen Schritten des Prozesses einer Lokalen Agenda 21 vielfältige Informationen bietet (u.a. wird das Beispiel einer SWOT-Analyse vorgestellt).
  • Gemeindetag Baden-Württemberg & Kreisverband Ravensburg (1999): Lokale Agenda 21. Nachhaltige Entwicklung in der Gemeinde. Eine Arbeitshilfe. Ravensburg: Landratsamt.
    Die ausführliche Checkliste/Bestandesaufnahme enthält viele für die Beurteilung des Gemeindeumfelds zu berücksichtigende Punkte.
  • Regierungsrat Obwalden (2003): Strategie- und Amtsdauerplanung 2003 bis 2006.
    Ein umfassender Bericht über eine SWOT-Analyse für den Kanton Obwalden bezogen auf die Strategie- und Amtsdauerplanung 2003 bis 2006. Darin wird eine Beurteilung des Handlungsbedarfs und Handlungsspielraums vorgenommen.
    »Download Regierungsrat_Obwalden_2003 (pdf; 347kB)
  • Buser, Hans (2003): IMPULS 21. Ein Förderprogramm für die nachhaltige Entwicklung Baselbieter Gemeinden.
    Im Förderprogramm für nachhaltige Entwicklung des Kantons Baselland ist vorgesehen, dass jede Gemeinde eine Nachhaltigkeitsanalyse durchführt. Dabei sollen die bisherigen und zukünftigen Aktivitäten einer Gemeinde in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit bewertet werden. Aufgrund der Analyse wird entschieden, welche Massnahmen prioritär an die Hand genommen werden resp. neu hinzu kommen müssen (>> Instrumente und Massnahmen auswählen). Das zum Einsatz kommende Analyseinstrument baut auf Faktor 21 auf. Der Bericht gibt detailliert Auskunft darüber, wie die Analyse abläuft.
    »Download Buser_2003.pdf (pdf; 131kB)
  • Credit Suisse (2004): Standortqualität: Mehr als ein Schlagwort.
    Aus einer eher wirtschaftlichen Perspektive stehen Instrumente zur Messung der Standortqualität zur Verfügung, bspw. der Standortqualitätsindex der Credit Suisse.
    »Download CS_2004.pdf (pdf; 262kB)
  • Handels- und Industrieverein des Kantons Bern (2000): Die wirtschaftlichen Standortqualitäten bernischer Gemeinden. Teil 4: Berner Oberland (mit Schwarzenburg und Seftigen).
    Der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern analysierte die wirtschaftliche Standortqualität von Berner Gemeinden. Das Beispiel Sigriswil zeigt, welche verschiedenen Faktoren dabei berücksichtigt wurden.
    »Download HIV_Kanton_Bern_2000 (pdf; 143kB)
  • Bundesamt für Raumentwicklung (2007): Nachhaltigkeitsbeurteilung von Projekten auf der Ebene der Kantone und Gemeinden.
    Das Bundesamt für Raumentwicklung hat einen Leitfaden herausgegeben, der Grundlagenwissen zur Nachhaltigkeitsbeurteilung zur Verfügung stellt. Neben dem Grundlagenwissen finden sich nützliche Tipps für die Wahl eines geeigneten Beurteilungsinstrumentes und zur Bedeutung der Kommunikation. Im Anhang werden ausserdem verschiedene in der Schweiz entwickelte und angewendete Beurteilungsinstrumente detailliert präsentiert. Der Leitfaden richtete sich im Besonderen an VerteterInnen der öffentlichen Hand (Kantone, Gemeinden).
    »Download ARE_2007 (pdf; 1281kB)
  • Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum der Universität Basel, Abteilung Wirtschaftspolitik (Hrsg.) (2000): Kurzfassung der Studie: Perspektiven für das Laufental. Entscheidungsgrundlagen für ein Wirtschaftsleitbild.
    Eine illustrative Kurzfassung über die Studie „Perspektiven für das Laufental“, in welcher die SWOT-Analyse eingesetzt wurde. Der Bericht beinhaltet eine Tabelle, die aufzeigt, wie Stärken und Schwächen als Chancen genutzt werden können oder wann sie zu einem Risiko (zu einer Gefahr) werden.
    »Download WWZ_2000.pdf (pdf; 36kB)
  • Fricker, Jonas et al. (2010): Nachhaltigkeitsorientierte Führung von Gemeinden. Einführung und Leitfaden für die Praxis. Chur: Rüegger Verlag.
    Der Leitfaden des Kompetenzzentrums für nachhaltige Gemeinden bietet in übersichtlicher Form eine Zusammenstellung von Hinweisen, Instrumenten und Checklisten mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung von Gemeinden. Die Darstellung von Modellen und Ansätzen der Prozessgestaltung ebenso wie die vielen Praxisbeispiele unterstützen eine zielorientierte Gestaltung und Überprüfung der Prozesse, die erforderlich sind, wenn sich eine Gemeinde in ihrer Entwicklung an der Idee der Nachhaltigkeit orientieren will. Zur praxisnahen Gestaltung des Leitfadens gehört es auch, dass die Einführung einer nachhaltigkeitsorientierten Gemeindeführung an den konkreten Schritten, die dabei zu erfolgen haben, gezeigt wird. Eine Auswahl der Instrumente, Checklisten und Beispiel steht auf www.nogf.ch online zur Verfügung.


 Weiteres dazu im
 Handbuch

 Links

 Dokumentinformationen
  • Autorin: S. Ulli-Beer
  • Erstellt:
    19. Oktober 2004
  • Redaktorin: K. Gasser
  • Dokumententyp: Wegmarken